Inhalt
- Die beiden Modelle im Überblick
- Der größte Vorteil des Altersvorsorgedepots: die Förderung
- Steuern: nachgelagert statt Abgeltungsteuer
- Flexibilität: Dein Geld ist bis 65 gebunden
- Anlageregeln und Kosten
- Die Faustregel: bis 150 € ins Altersvorsorgedepot, darüber in den ETF-Sparplan
- Die Kombination: So arbeiten beide Bausteine zusammen
- Fazit: Förderung mitnehmen, Flexibilität behalten
Ob das Altersvorsorgedepot oder ein klassischer ETF-Sparplan besser zu dir passt, hängt vor allem von zwei Fragen ab: Wie viel willst du sparen, und wie flexibel musst du bleiben? Für die ersten 150 € im Monat ist das Altersvorsorgedepot dank staatlicher Zulagen meist im Vorteil. Für Beträge darüber und für Geld, das du vielleicht vor dem Ruhestand brauchst, ist ein freier ETF-Sparplan oft die bessere Wahl.
Viele Sparerinnen und Sparer fahren deshalb mit einer Kombination aus beidem gut. In diesem Ratgeber erfährst du, worin sich die beiden Wege unterscheiden und wie du sie sinnvoll aufteilen kannst. Stand: November 2026.
Die beiden Modelle im Überblick
Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027. Es ist ein staatlich gefördertes Depot speziell für die Altersvorsorge. Ein freier ETF-Sparplan läuft dagegen in einem ganz normalen Wertpapierdepot – ohne Förderung, aber auch ohne Vorgaben.
| Altersvorsorgedepot | Freier ETF-Sparplan | |
|---|---|---|
| Staatliche Zulage | bis 540 € Grundzulage im Jahr, plus Kinderzulage | keine |
| Steuer in der Ansparphase | steuerfrei, keine Vorabpauschale | Ausschüttungen und Vorabpauschale steuerpflichtig |
| Steuer bei Auszahlung | geförderter Teil voll mit persönlichem Steuersatz | Abgeltungsteuer auf Gewinne, 30 % Teilfreistellung bei Aktien-ETFs |
| Zugriff aufs Geld | grundsätzlich frühestens mit 65 | jederzeit |
| Erlaubte Anlagen | Fonds und ETFs der Risikoklassen SRI 1–5, bestimmte Staatsanleihen | frei wählbar |
| Auszahlung | Auszahlplan bis mindestens 85 oder Leibrente, bis 30 % als Kapital | frei |
| Höchstbeitrag | 6.840 € im Jahr je Vertrag | unbegrenzt |
Der größte Vorteil des Altersvorsorgedepots: die Förderung
Der Staat zahlt dir auf deine Eigenbeiträge eine Grundzulage – unabhängig von deinem Einkommen. Auf die ersten 360 € im Jahr gibt es 50 % dazu, auf Beiträge von 360,01 € bis 1.800 € weitere 25 %. Maximal sind das 540 € im Jahr.
| Monatlicher Beitrag | Jahresbeitrag | Grundzulage | Förderquote |
|---|---|---|---|
| 10 € | 120 € | 60 € | 50 % |
| 30 € | 360 € | 180 € | 50 % |
| 50 € | 600 € | 240 € | 40 % |
| 100 € | 1.200 € | 390 € | 32,5 % |
| 150 € | 1.800 € | 540 € | 30 % |
| 200 € | 2.400 € | 540 € | 22,5 % |
Die Tabelle zeigt: Je kleiner der Beitrag, desto höher ist die Förderquote. Ab 1.800 € im Jahr steigt die Zulage nicht weiter. Einen solchen garantierten Zuschuss kann kein normaler ETF-Sparplan bieten.
Dazu kommen weitere Bausteine: Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es bis zu 300 € Kinderzulage, wer unter 25 ist, bekommt einmalig 200 € Berufseinsteigerbonus. Bei höherem Einkommen kann sich über die Steuererklärung zusätzlich ein Steuervorteil ergeben. Wie viel Förderung du konkret bekommst, zeigt dir der Zulagenrechner.
Gut zu wissen: Damit überhaupt eine Zulage fließt, musst du mindestens 120 € im Jahr (10 € im Monat) selbst einzahlen. Wer förderberechtigt ist, erfährst du auf unserer Pillar-Seite zum Altersvorsorgedepot.
Steuern: nachgelagert statt Abgeltungsteuer
Beim Thema Steuern unterscheiden sich die beiden Wege grundlegend. Im Altersvorsorgedepot bleibt die Ansparphase komplett steuerfrei. Es gibt keine Vorabpauschale, und Erträge können ungebremst weiterwachsen.
Dafür wird später kräftiger zugegriffen: Der geförderte Teil deines Guthabens wird bei der Auszahlung voll mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Die 30 % Teilfreistellung für Aktienfonds gibt es hier nicht. Das gilt für deine Beiträge, die Zulagen und alle Erträge darauf.
Beim freien ETF-Sparplan zahlst du dagegen aus bereits versteuertem Geld ein. Steuern fallen nur auf Gewinne an – laufend über Ausschüttungen und die Vorabpauschale, beim Verkauf auf den Kursgewinn. Bei Aktien-ETFs bleiben dabei 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung).
Gut zu wissen: Ob die nachgelagerte Besteuerung für dich günstig ist, hängt von deinem Steuersatz im Alter ab. Im Ruhestand ist das Einkommen oft niedriger als im Berufsleben, aber nicht immer. Mehr dazu im Ratgeber Altersvorsorgedepot und Steuern.
Für Beiträge oberhalb von 1.800 € gelten im Altersvorsorgedepot andere Regeln: Dieser ungeförderte Teil wird beim Auszahlplan nur auf den Gewinn besteuert, ab 62 und nach mindestens 12 Jahren Laufzeit in der Regel nur zur Hälfte. Das ist steuerlich attraktiv, ändert aber nichts an der langen Bindung.
Flexibilität: Dein Geld ist bis 65 gebunden
Der größte Nachteil des Altersvorsorgedepots ist die Sperre. Die Auszahlung beginnt frühestens mit 65 und spätestens mit 70. Früher geht es nur, wenn du bereits eine gesetzliche Altersrente oder Pension beziehst.
Kündigst du vorher oder lässt dir das Geld auszahlen, ist das eine sogenannte schädliche Verwendung. Dann musst du alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen, und die Gewinne werden steuerpflichtig.
Achtung: Zahle nur Geld ins Altersvorsorgedepot ein, das du bis zum Ruhestand wirklich nicht brauchst. Eine Ausnahme gibt es für selbst genutztes Wohneigentum – hier ist eine Entnahme möglich, Anbieter dürfen das aber ausschließen.
Beim freien ETF-Sparplan kannst du dagegen jederzeit verkaufen, pausieren oder die Rate ändern. Das macht ihn zum besseren Werkzeug für mittelfristige Ziele oder als Reserve.
Anlageregeln und Kosten
Im Altersvorsorgedepot darfst du nicht alles kaufen. Erlaubt sind Fonds und ETFs der Risikoklassen SRI 1 bis 5 sowie Staatsanleihen von EU, Bund, Ländern und Gemeinden. Einzelaktien, Zertifikate, Krypto und Produkte der Klassen SRI 6 und 7 sind ausgeschlossen.
In der Praxis ist das für die meisten Sparer kein großes Hindernis: Die meisten globalen Aktien-ETFs haben die Risikoklasse SRI 4. Worauf du bei der Auswahl achten kannst, liest du im Ratgeber ETF-Auswahl im Altersvorsorgedepot.
Auch die Kosten verdienen einen genauen Blick. Nur für das Standarddepot gilt ein Kostendeckel von im Schnitt 1 % pro Jahr, für andere Produkte gibt es keinen. Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass selbst 1 % Kosten über 40 Jahre rund ein Drittel der Erträge kosten können. Einen Überblick über die angekündigten Angebote findest du auf der Seite Anbieter.
Die Faustregel: bis 150 € ins Altersvorsorgedepot, darüber in den ETF-Sparplan
Aus den Unterschieden ergibt sich eine einfache Faustregel: Bis 150 € im Monat (1.800 € im Jahr) lohnt sich die volle Förderung im Altersvorsorgedepot. Was du darüber hinaus sparen möchtest, fließt besser in einen freien ETF-Sparplan.
Der Grund: Oberhalb von 1.800 € gibt es keine Zulage mehr. Du würdest dein Geld also bis zum Ruhestand binden, ohne dafür eine zusätzliche Förderung zu bekommen. Die steuerfreie Ansparphase ist zwar ein Plus, wiegt die fehlende Flexibilität aber für viele nicht auf.
Wann ein ETF-Sparplan allein sinnvoller sein kann
- Du brauchst das Geld möglicherweise vor dem Rentenbeginn.
- Du bist nicht förderberechtigt, etwa als von der Rentenversicherung befreiter Minijobber.
- Du möchtest in Einzelaktien oder andere Anlagen investieren, die im Altersvorsorgedepot nicht erlaubt sind.
Wann das Altersvorsorgedepot besonders attraktiv ist
- Du hast Kinder und kannst die Kinderzulage nutzen. Details dazu im Ratgeber Kinderzulage für Familien.
- Du bist unter 25 und bekommst den Berufseinsteigerbonus, siehe Altersvorsorgedepot für junge Leute.
- Du sparst eher kleine Beträge und profitierst von der hohen Förderquote.
Die Kombination: So arbeiten beide Bausteine zusammen
Du musst dich nicht für eine Variante entscheiden. Eine mögliche Aufteilung: Die ersten 150 € gehen ins Altersvorsorgedepot, alles darüber in einen freien ETF-Sparplan. Die Grundzulage gilt dabei für Erwachsene ohne Kinder.
| Gesamte Sparrate | Altersvorsorgedepot | ETF-Sparplan | Grundzulage im Jahr |
|---|---|---|---|
| 100 € | 100 € | 0 € | 390 € |
| 200 € | 150 € | 50 € | 540 € |
| 300 € | 150 € | 150 € | 540 € |
| 500 € | 150 € | 350 € | 540 € |
So sicherst du dir die volle Förderung und behältst trotzdem einen flexiblen Teil, auf den du jederzeit zugreifen kannst. Bevor du langfristig sparst, ist ein Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto für unvorhergesehene Ausgaben sinnvoll.
Ob sich die Aufteilung für dich rechnet, kannst du mit dem Vergleichsrechner durchspielen. Er stellt Altersvorsorgedepot und freien ETF-Sparplan unter deinen Annahmen gegenüber. Wie hoch deine spätere Monatsrente ausfallen könnte, zeigt der Rentenrechner.
Fazit: Förderung mitnehmen, Flexibilität behalten
Das Altersvorsorgedepot punktet mit Zulagen und einer steuerfreien Ansparphase, verlangt dafür aber eine lange Bindung bis mindestens 65. Der freie ETF-Sparplan bietet keine Förderung, dafür volle Freiheit und eine günstigere Besteuerung der Gewinne durch die Teilfreistellung.
Für viele ist die Kombination aus beidem ein vernünftiger Weg. Die Verbraucherzentrale NRW rät zudem, nicht überstürzt abzuschließen und auf Provisionsberatung zu achten. Weitere Argumente findest du im Ratgeber Vor- und Nachteile des Altersvorsorgedepots, den Ablauf der Eröffnung unter Altersvorsorgedepot eröffnen. Offene Fragen beantworten unsere FAQ, Fachbegriffe erklärt das Glossar.
AV-Depot, ETF oder Betriebsrente?
Vergleiche, was dir nach Steuern am meisten bringt.
Häufige Fragen
Kann ich mein bestehendes ETF-Depot in ein Altersvorsorgedepot umwandeln?
Nein. Ein normales Depot lässt sich nicht in ein Altersvorsorgedepot umwandeln. Du müsstest ein neues Altersvorsorgedepot eröffnen und dort neue Beiträge einzahlen.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot auch mit nur 10 € im Monat?
Ja, gemessen an der Förderquote sogar besonders. Auf 120 € Eigenbeitrag im Jahr gibt es 60 € Grundzulage, also 50 %. Weniger als 120 € im Jahr darfst du allerdings nicht einzahlen, sonst gibt es keine Zulage.
Darf ich im Altersvorsorgedepot denselben ETF besparen wie in meinem normalen Depot?
Grundsätzlich ja, wenn der ETF in die erlaubten Risikoklassen SRI 1 bis 5 fällt und dein Anbieter ihn für das Altersvorsorgedepot anbietet. Die meisten globalen Aktien-ETFs haben die Risikoklasse SRI 4.
Kann ich mehr als 150 € im Monat ins Altersvorsorgedepot einzahlen?
Ja, bis zu 6.840 € im Jahr je Vertrag. Gefördert werden aber nur die ersten 1.800 €, der Rest von bis zu 5.040 € bleibt ungefördert und ist trotzdem bis zum Rentenbeginn gebunden.
Quellen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand siehe oben.